Die Idee war, den Sommer in Kärnten badend ausklingen zu lassen – gewürzt mit der Teilnahme am längsten (?) Open-Water-Schwimmen auf einem österreichischen See – 17k Wörthersee-Swim von Velden nach Klagenfurt. Ein Bericht von Georg Soustal:
Die Wettervorhersage meinte es am Samstag, den 5. September 2026 durchaus gut, Start um 8 Uhr bei Sonnenschein und erst gegen 16 Uhr sollten Wind und möglicherweise Regen aufkommen. Nachdem der Cut offiziell bei sieben Stunden und inoffiziell bei acht Stunden lag, sollte sich auch das ausgehen.
Am Tag des Wettbewerbs hatten dann doch einige kalte Füße bekommen und so erschienen 19 (!!!) der gerade mal 80 Teilnehmer nicht zum Start.
Das Rennen begann nach einem Mini-Feuerwerk pünktlich um 8 Uhr und für mich entspannt, da „nur“ finishen das Ziel war. So versuchte ich die ersten Kilometer im ruhigen Wasser den ein- oder anderen „Zug“ zu erwischen, um im Wasserschatten kräfteschonender zu schwimmen – leider ohne Erfolg, da nur wenige mein Tempo schwammen (oder umgekehrt) und wir Schwimmer uns schön breit am See verteilten.
Mein erstes Highlight war das Erreichen der Feedingstation Nr. 1 am oder viel mehr im Wasser nach vier Kilometer bereits nach 3,5 Kilometer. Hatte ich die idealste Ideallinie gefunden? Nachdem ich auch bei der zweiten Station Höhe Pörtschach noch den „Puffer“ von knapp 500 Meter hatte, sollte es auch so stimmen. Und auch meine Zeiten je 500 Meter ließen mich auf sub sieben Stunden hoffen.
Blöderweise wird – bei mir zumindest – im Ausdauersport die Energie mit jeder Stunde etwas weniger, egal wie viele Gels, Iso, Riegel oder Bananen ich mir gönnen. … und so wurden auch meine Zeiten langsamer. Nachdem ich jedoch kontinuierlich weiterschwamm, waren zwar irgendwann die sieben Stunden außer Reichweite, doch ich kam voran. Nach den ersten „Begegnungen“ mit kleineren und größeren Fähren war das nächste Ziel die mobile Feedingstation in der Bucht von Reifnitz – diese war verpflichtend anzuschwimmen, um die 17 Kilometer nicht abzukürzen … Das Schlauchboot erreichte ich dann leider wirklich erst bei Kilometer 12 (und auch nur, weil mir meine mich am Ufer begleitende Frau lautstark darauf hinwies, dass ich nicht gleich nach Maria Wörth „abbiegen“ soll sondern erst in der nächsten Bucht) – der Puffer war dahin, die „Ideallinie“ dann doch nicht so ideal. Jedenfalls hatte ich nur mehr fünf Kilometer vor mir inklusive einer finalen Feedingstation bei Kilometer 15,5 – so dachte ich wenigstens…
Doch hier sollte mein Abenteuer erst so richtig losgehen. Hätte ich mir übrigens auch denken können, nachdem die Veranstalter das Event als das größte Schwimmabenteuer der Alpen bezeichnen. Erstens war das Navigieren – auch wenn es „nur“ ein Schwimmen von West nach Ost ist – deutlich herausfordernder als erwartet (erst 1,5 Kilometer vor dem Ziel gab es Bojen). Zweitens meinte es der Wettergott dann doch nicht so gut mit den noch wenigen verbleibenden Schwimmern und schickte uns Wind von (Süd-)Ost = Gegenwind und damit einen beginnenden Kampf gegen die Wellen. (Wie sehr hätte ich mir diese im Sommer beim Wellenreiten gewünscht.) Am Wörthersee waren sie für mich extrem belastend – sowohl mental als auch physisch. Das Trinken des Seewassers war ja noch okay, aber die regelmäßigen „Watschen“ vom Wasser (egal ob Brust oder Kraul schwimmend), das noch schwierigere Navigieren und vor allem das im Wasser nicht vorankommen zehrten sehr an meinem mittlerweile aufgeweichten Nervenkostüm. Dazu kam, dass die Organisatoren zu dieser Zeit auch nicht mehr ihre volle Energie/Aufmerksamkeit auf den 17km-Bewerb legten. Und so war die letzte Feedingstation nicht mehr besetzt (wie mir eine andere Teilnehmerin im Ziel erzählte), ich hatte sie jedoch auch gar nicht mehr gesehen. Im Wasser schwimmend sind graue Schlauchboote eben doch nicht so der ganz große Blickfang.
Jedenfalls hatte ich beim Erreichen der Richtungsbojen auf meiner Uhr bereits knapp sieben Stunden erreicht und war bereits deutlich über den 17 Kilometer. Also fragte ich einen der Schlauchbootfahrer wie weit es denn noch ins Ziel wäre. Seine Antwort: „Don‘t know!“ gab mir dann auch keinen zusätzlichen Energieschub. Und so kreisten in meinem Kopf Gedanken wie: Warum tu ich mir das an? Ich geh nie wieder Schwimmen! Ich will endlich, dass das vorbei ist! Ich gebe sicher nicht auf! Wo ist das verdammte Ziel? Und: wenn die mich jetzt aus dem Bewerb nehmen, gebe ich ihnen meinen Chip und die Badehaube und schwimme trotzdem weiter …
Doch ich würde diese Zeilen nicht (so) schreiben, wenn ich auf meiner Uhr nach 19,1 Kilometer nicht doch noch den Zielbogen (in einer Bucht) entdeckt hätte – und nach 200 Meter „Zielsprint“ in 8 Stunden 22 Minuten 36 Sekunden im Ziel angeschlagen hätte. Als Letzter, der in die Wertung gekommen ist – insgesamt als 56ster – bekam ich einen tosenden Zieleinlauf geschenkt (zum Glück fand zeitgleich die Siegerehrung statt), der dann doch für einen Teil der Strapazen entschädigte. Und so schenkte ich mir im Ziel noch die Hermann-Maier-und-Benjamin-Karl-Siegerpose, auf die ich mich die letzten Stunden im Wasser schon so gefreut hatte …
Wir gratulieren zu dieser außergewöhnlichen Leistung und dem beeindruckenden Durchhaltevermögen!




